Vom Zugersee an den Bol d'Or Mirabaud
Anfang Juni waren wir mit der Little Johnka (CYD 27 ORC) am Bol d'Or Mirabaud — der grössten Binnen-Regatta Europas. Drei an Bord: Niko Rollwage (ebenfalls OSCA), mein Bruder Henrique und ich. Die vollständigen Resultate und der Streckenverlauf sind auf der offiziellen Eventseite einsehbar. In diesem kurzen Beitrag geht es uns aber nicht um Platzierungen, sondern um die Praxis — damit weitere OSCA-Crews den Schritt vom Zugersee an den Léman ohne unnötige Umwege schaffen.
Damian Weiss hat das Boot bei uns gewissenhaft trailerfertig gemacht. Diese sorgfältige Vorbereitung erspart unterwegs jede Sorge. Den Trailer haben wir dann selbst gezogen: Abfahrt am Mittwoch um 13:00 Uhr, Ankunft in Genf um 17:30 Uhr — viereinhalb Stunden Fahrt, ohne Vorkommnisse.
Gewässert haben wir bei der Association Nautique de Genève: 50 CHF für Ein- und Ausslippen — sehr fair. Direkt vor dem Klubgelände stand ein günstiger Parkplatz für den gesamten Aufenthalt, und das Hotel lag zu Fuss erreichbar. Während der Regatta stellt der Veranstalter den Teilnehmenden zudem kostenlos Plätze in der Marina zur Verfügung — eine grosse Entlastung, die spürbar Druck aus der Logistik nimmt.
Was den Bol d'Or für uns ausmacht? Drei Bilder bleiben besonders haften. Der Start mit über 500 Booten — eine Flotte, die man als Binnen-Segler so noch nie gesehen hat, von kleinen Surprise-Crews bis zu den D35-Multihulls. Die Nacht auf dem See mit 7 knoten wind aber ruhig, fast meditativer Rhythmus, Lichter am Ufer, andere Positionslichter wandern lautlos vorbei. Und die Kulisse zwischen Mont-Blanc, Alpenkamm und der weiten Fläche des Léman. Sportlich überzeugt vor allem die taktische Vielfalt: ausgeprägte Geographie, wechselnde Windsysteme und ein stark besetztes Feld. Genau das macht den Bol d'Or für jede OSCA-Crew empfehlenswert — man segelt nicht einfach eine lange Regatta, sondern löst taktische Aufgaben, die der Zugersee in dieser Dichte nicht bietet.
Was wir beim nächsten Mal anders machen würden? Einen Punkt: erst am Donnerstagmorgen anreisen statt am Mittwoch. Die Fahrt ist gut machbar, und der zusätzliche Tag in Genf vor dem Start hat uns kaum etwas gebracht — eine Hotelnacht weniger wäre die richtige Kalibrierung. Sonst würden wir alles genau gleich machen. Die Logistik ist überraschend unkompliziert, der Empfang am Genfersee herzlich, und der Bol d'Or ist schlicht eine Erfahrung, die man als Segler einmal gemacht haben sollte. Wer mit dem Gedanken spielt mitzufahren: lasst euch nicht abschrecken — fragt uns gerne, wir helfen durch die Planung.